Wärmeverbund Hard

Nachhaltig in die Zukunft? – mit erneuerbarer Wärme!

Im Gebiet Hard wird der erste Wärmeverbund der IB Langenthal AG in Langenthal realisiert.

Erneuerbare Wärme spielt in der Energiestrategie und den Zielen des Bundes, des Kantons Bern und dem davon abgeleiteten Richtplan Energie der Stadt Langenthal eine wesentliche Rolle.

Beim Projekt «Wärmeverbund Hard» wird der alte, ungenutzte Heizkeller des Bildungszentrums Langenthal (bzl) mit modernen Heizkesseln ausgerüstet. Diese neu entstehende Heizzentrale versorgt das bestehende und neu zu erstellende Netz mit Wärme. Die dafür benötigten Holzschnitzel werden aus den umliegenden Wäldern im Oberaargau stammen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die gesamte Versorgung wird mit Wärme aus regionalen Holzschnitzeln aus 100 % erneuerbarer Energie sichergestellt.
  • Zur Versorgung der Gebäude des Kantons (Gymnasium und Berufsschulen) mit Wärme wird eine Leistung von 1'350 kW benötigt. Dies entspricht rund 2/3 der gesamten Anlageleistung und entspricht dem Bedarf von ca. 135 älteren beziehungsweise 270 neueren Einfamilienhäusern.
  • Das übrige Drittel der Heizleistung werden vorerst die Stadt Langenthal sowie die Wohnbaugesellschaft Langeten abnehmen. 
  • Zusammen mit dem neuen Wärmenetz und den neuen Hausanschlüssen ergibt dies eine Einsparung im Endausbau von rund 440'000 m3 Erdgas pro Jahr.
  • Gegenüber den heutigen Erdgas-Heizungen beträgt die Einsparung jährlich rund 1’000 Tonnen CO2.
     

So funktioniert der Wärmeverbund

Die Heizzentrale umfasst mehrere Holzschnitzelkessel. Diese sind so dimensioniert, dass die produzierte Wärme stufenweise erhöht werden kann, also von geringem Wärmebedarf im Sommer mit einem Kessel, bis hin zu einem Vollbetrieb aller vier Kessel in einem bitterkalten Winter. Mit grossen Warmwasserspeichern von rund 45 m3 kann zudem der Betrieb der Holzschnitzelkessel ideal optimiert werden. 

Die in der Heizzentrale erzeugte Wärme gelangt in Form von heissem Wasser, einerseits über eine Übergabestation an die Kantonsbauten sowie über ein insgesamt rund 2'000 Meter langes, neues Netz von wärmegedämmten Wärmeleitungen zur Kundschaft. In jedem angeschlossenen Gebäude wird eine Wärmeübergabestation installiert. Mithilfe eines Wärmetauschers geht die Energie auf das bestehende Wärmeverteilsystem im Haus über. 

Die Realisierung des Wärmeverbundes Hard wurde möglich, da sich genügend Kunden mit ihren Liegenschaften für einen Anschluss ans Wärmenetz entschlossen haben. Einsprachen sind gegen das Projekt keine eingegangen, damit steht der Realisierung nichts mehr im Weg.

Erklärvideo Nahwärmeverbund Hard

 

Vorteile für die Kundschaft

Ökologische Vorteile:

  • Klimaschonend heizen: Holz als Brennstoff ist erneuerbar und CO2-neutral.
  • Bessere Luft: Dank des Wärmeverbundes entfallen fossile Heizungen.
  • Zukunftssichere Technologie: Der Wärmeverbund erfüllt die Anforderungen des neuen Energiegesetzes.

Finanzielle Vorteile:

  • Keine unerwarteten Kosten: Beim Heizen mit Fernwärme bleiben böse Überraschungen wie hohe Reparaturkosten aus.
  • Konstantere Preise: Preisschwankungen, wie sie bei fossiler Heizenergie vorkommen, treten bei regionalen Holzschnitzeln kaum auf.
  • Höherer Gebäudewert: Der Anschluss einer Liegenschaft an den Wärmeverbund ist eine zukunftssichere Heizlösung, wertet das Gebäude auf und erfüllt z. B. die Bedingungen von Minergie, Minergie A oder sogar Minergie-P. 

Betriebliche Vorteile:

  • Geringerer Aufwand: Die Wärmekunden brauchen sich nicht länger um Betrieb, Wartung und Instandhaltung einer eigenen Heizung zu kümmern.
  • Zuverlässiger Betrieb: Der Anschluss an den Wärmeverbund garantiert eine hohe Versorgungssicherheit, da eine grosse Redundanz vorhanden ist.
  • Mehr Raum: Einen eigenen Heizkessel oder einen Raum bzw. Tank für Treibstoff braucht es beim Heizen mit Fernwärme nicht. So wird Platz für andere Zwecke frei.

Träger- und Partnerschaft

  • Das Wärmenetz im Wohnquartier Hard und die neue Heizzentrale sind zu 100 % im Besitz der IBL. Sie ist ebenfalls Betreiberin der Anlage und des Wärmenetzes.
  • Das bestehende Wärmenetz bfsl/gymo bleibt im Besitz des Kantons Bern, ebenso bleibt der Kanton Inhaber der Zentralenräumlichkeiten.
  • Die Nutzung des Grundstücks und des Heizkellers erfolgt via vertragliche Vereinbarungen.
  • Häusler Ingenieure AG aus Langenthal ist unser Planer und Projektierungspartner.
     

Der Gemeindeverband Forst Oberaargau (FOA) ist Hackschnitzellieferant des WVB Hard in Langenthal.

Erfahren Sie hier mehr über den Rohstoff Holz und wie er für den Wärmeverbund genutzt werden kann.

 

Drei Fragen an Daniel Schütz

Leiter Wärme/Kälte bei der IBL und Projektleiter "Wärmeverbund Hard"

Wie spielt die Fernwärmeversorgung der IBL mit der Energieversorgung des Schulareals Hard zusammen?

 «Die Heizzentrale der Berufsschulen muss dringend ersetzt werden. Durch eine gute Kooperation der Kantonsbehörden mit der IBL konnte für diesen Bedarf eine CO2-neutrale Lösung erarbeitet werden, welche nicht nur den Heizwärmebedarf der Berufsschulen und des gesamten Schulareals deckt, sondern gleich auch noch die umliegenden Wohnbauten mit nachhaltig erzeugter Wärme versorgen kann.»

Was motiviert die IBL, solche Projekte in Angriff zu nehmen?

«Als Energieversorger liegt es nahe, auch diese Energieform anzubieten. Durch unsere sehr langfristige Ausrichtung ist die IBL in der Lage, solch grosse Investitionsprojekte zu finanzieren und, für unsere Wärmekunden, stabil und zuverlässig zu betreiben. Zudem sind wir sehr gefordert, in den kommenden Jahren und Jahrzehnten eine CO2-Neutralität zu erreichen. Die Nutzung von fossilen Brennstoffen wie Heizöl oder Erdgas zum Heizen wird nicht zuletzt durch politische Massnahmen stark unter Druck geraten. Holz eignet sich hier hervorragend, um einerseits die Wärmeerzeugung mit diesem direkt vor unserer Haustüre wachsenden Brennstoff zu erzeugen und gleichzeitig eine unabhängigere Situation der Energiebeschaffung zu erreichen.»

Haben Nachhaltigkeit und Umweltschutz überhaupt eine Chance in einem Wirtschaftssystem?

«Diese Frage stellt sich meines Erachtens gar nicht. Der Mensch ist Teil der Natur, der sozialen und auch der wirtschaftlichen Umwelt. Ein Wirtschaftssystem sollte sich immer nach den MENSCHEN, deren langfristigen Bedürfnissen und einem optimalen, nachhaltigen Ressourceneinsatz orientieren und nicht dem kurzfristigen Erfolg dienen. Der Erhalt oder das (Wieder-)Erreichen von sauberer Luft, fruchtbarer Erde und reinem Wasser müssen hierbei immer unser Ziel sein und wir sind angehalten, stetig, aber konsequent dafür einzustehen und auch so zu handeln. Ich bin der Meinung, dass Schritt für Schritt ein (noch zögerliches und langsames) Umdenken im Gange ist und eine wachsende Anzahl Menschen in Umweltfragen kritischer denkt. Viele Firmen haben begonnen kleine oder auch grössere Anstrengungen in ihrer Strategie zu integrieren, viele Menschen hinterfragen ihre eigenen Gewohnheiten. Alle diese Gedanken und Handlungen helfen mit, dass auch in profitorientierten Ausrichtungen ein Umdenken erfolgen kann. Wenn wir jetzt und künftig in einer auf allen Ebenen gesunden Umgebung leben und arbeiten wollen, muss Nachhaltigkeit und Umweltschutz eine zentrale Rolle in ALLEN unseren wirtschaftlichen Überlegungen spielen, sei es im Privaten wie auch in unternehmerischer Umgebung.»

 

Spatenstich am Donnerstag, 8. Juli 2021

v. l. n. r.: Ralph Markowski (IBL, Leiter Bereich Netze), Hugo Versteeg (Kanton Bern), Urs Dätwyler (HIAG), Rudolf Heiniger (IBL, Direktor), Michael Schär (Stadt Langenthal), Daniel Röthlisberger (HIAG), Daniel Schütz (IBL, Leiter Wärme/Kälte)