Geschäftsbericht 2019

Interview Familie Tschudin

Marcel und Daniela Tschudin

Tschudins machen den Schritt weg von den fossilen Brennstoffen


 

Familie Tschudin ist eine von vielen Familien, die ihre Liegenschaft modernisieren und so einen wichtigen Beitrag für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Energie und somit für den Klimaschutz leisten wollen. Die Familie will weg von den fossilen Energieträgern, mit der ihre alte Heizung befeuert wurde.

 

Um aus der Vielzahl möglicher Lösungen, die für sie am besten geeignete Variante zu finden, haben sie sich für eine Energieberatung der IBL entschieden. In der ersten Phase wurde dazu ein GEAK (Gebäudeenergieausweis der Kantone) erstellt, der die energetische IST-Situation der Liegenschaft wiederspiegelt und auch mindestens drei Möglichkeiten aufzeigt, wie das energetische Einsparpotenzial der Liegenschaft aussehen könnte. Unabhängig davon war für Familie Tschudin vorab klar, dass sie mit einer eigenen Photovoltaikanlage selbst Strom produzieren möchten. Begonnen hat das Pilotprojekt bereits im 2018 mit den Vorbereitungen und der Planung. Nach der Umbauphase konnte die Modernisierung Ende 2019 abgeschlossen werden.
 

Herr und Frau Tschudin, was hat Sie zu Ihrem Projekt motiviert und welche Aspekte waren Ihnen dabei besonders wichtig?
Nach knapp 19 Betriebsjahren machten sich an unserer Gasheizung erste Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Da wir uns bereits seit einigen Jahren mit erneuerbaren Energien befassen, war für uns klar, dass wir uns von den fossilen Brennstoffen verabschieden werden. Wir haben uns für ein Wärmepumpensystem entschieden. Den dafür notwendigen Strom selbst zu produzieren, soweit dies möglich ist, erschien uns als eine Selbstverständlichkeit.

Warum haben Sie sich für die IBL und deren Dienstleistung «Energieberatung» und «Baubegleitung» entschieden?
Ein isolierter Ersatz des Heizsystems schien uns nicht weitsichtig genug. Wir wollten wissen, welche Massnahmen zur energetischen Optimierung für unser Zuhause überhaupt sinnvoll sind und wie diese miteinander verbunden werden können. Über das Magazin «querverbund» wurden wir auf die Dienstleistung «Energieberatung» der IBL aufmerksam. Anfangs 2018 fand ein erstes Treffen mit dem Energieberater Michael Schweizer statt. Wir waren überrascht, dass uns die IBL neben der Energieberatung auch die Baubegleitung anbot. Ein Glücksfall für uns, da wir bewusst auf einen Architekten verzichten, aber andererseits die Koordination und Überwachung keinesfalls selbst machen wollten. Die Chemie zwischen Michael Schweizer und uns stimmte von Beginn an. Unsere Wertvorstellungen und die Art ein solches Projekt umzusetzen
deckten sich. Zusammen setzen wir aus Überzeugung auf Schweizer Produkte und regionale Anbieter. Gerne vertrauten wir unser Projekt der IBL an.

Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit unserem Energieberater Michael Schweizer, der Ihnen als Baubegleiter mit Rat und Tat zur Seite stand?
Die Zusammenarbeit gestaltete sich hervorragend! Wir fühlten uns während der gesamten Projektdauer nie alleingelassen. Wir waren zu jedem Zeitpunkt über das geplante Geschehen informiert. Michael spürte genau, wann eine einfache E-Mail für den Austausch genügte, wann ein Telefonat sinnvoll oder ein persönlicher Besuch unerlässlich war.
Zudem bewies er ein glückliches Händchen bei der Auswahl der am Projekt beteiligten Unternehmen. Die gemeinsam durchgeführte Auswahl regionaler Partner und die Möglichkeit des Bezuges verschiedener Leistungen aus dem Umfeld der IBL (clevergie ag, Elektroinstallationen etc.) haben zu einem effizienten und respektvollen Zusammenarbeiten aller Beteiligten geführt.

Auf Ihrem Wohnhaus haben Sie eine sogenannte Indachanlage installieren lassen. Wieviel kWh produziert diese an Spitzentagen und was kann damit im Eigenverbrauch alles abgedeckt werden?
Wir haben uns für eine Indachanlage entschieden, weil wir gleichzeitig das Dach auf der Westseite aufgestockt und damit die Dachhaut völlig neu konstruiert haben. Statt einer Ziegeleindeckung wie vorher bildet nun die Indachanlage die neue Dachhaut. Damit konnten wir auch die gesamte Fläche von rund 70 m2 mit Solarmodulen belegen und erreichen so eine maximale Produktion von 11,78 kWp. Die Gesamtproduktion dürfte unseren neuen Jahresverbrauch – welcher sich dank der verschiedenen Massnahmen mehr als halbieren dürfte – in etwa abdecken. Schade nur, dass Produktions- und Verbrauchsspitzen zeitlich nicht ganz zusammenfallen…

… und dies füllt, neben dem neuen Wasserspeicher, auch gleich noch den Stromspeicher. Praktisch!  
Ja, definitiv! Was schlussendlich die Autarkiequote nochmals auf knapp 63% erhöhen sollte und unser zu Hause ganz nebenbei noch mit einer Notstromanlage ausstattet. Ausschlaggebend war für uns dabei das von der clevergie ag angebotene Hauskraftwerk S10 von E3/DC, welches alle relevanten Geräteteile (Wechselrichter, Speichersystem mit Notstromfunktion, Batteriemodul und eine intelligente Steuerung) kompakt vereinigt. Dank der intelligenten Vernetzung gehen wir von einer Eigenverbrauchsquote von rund 62% aus.

Fahren Sie dann auch bald «elektrisch»?
Definitiv nein – wir haben uns erst vor knapp 3 Jahren für einen Toyota Prius – bekanntlich der Pionier beim Hybridantrieb Benzin-/Elektromotor – entschieden und gehen davon aus, dass wir dieses Fahrzeug noch lange ohne jegliche Pannen fahren dürfen. Und wer weiss, welchen Fortschritt die Technologie in 10 Jahren schon wieder gemacht haben wird.

Wurden Ihnen bei diesem Vorzeigeprojekt auch Steine in den Weg gelegt?
Sicher nicht in böser Absicht. Aber die bestehenden gesetzlichen und reglementarische Vorgaben – welche selbstverständlich eingehalten werden müssen – haben allen involvierten Parteien (Michael als Projektverantwortlichen, uns als Bauherren, den beauftragten Handwerksbetrieben und den verantwortlichen Gremien und Stellen beim Kanton und der Stadt Langenthal) viel Fingerspitzengefühl, Pragmatismus und vor allem jede Menge Geduld und planerische Flexibilität abverlangt. Wir müssen schon sagen, dass es – aus unserer Sicht – für uns simple Bauherren schlicht nicht mehr möglich wäre, ein derartiges Projekt quasi in Eigenregie durch die Bewilligungsinstanzen zu bringen. Eine Einschätzung, die uns etwas bedenklich stimmt, aber natürlich längst nicht auf alle zutreffen muss. Anzumerken gilt es noch, dass die aussergewöhnliche Lage unseres Zuhause die Komplexität natürlich um Einiges erhöht hat.

Welche Herausforderungen kamen während der Umbauphase erschwerend hinzu?
Einerseits war das Haus während der gesamten Bauphase bewohnt, auch als es im Herbst dann schon sehr empfindlich kalt wurde, die Fassade noch nicht isoliert und die Heizung noch nicht betriebsbereit war. Das Arbeiten auf bewohnten Baustellen stellt an die beteiligten Handwerker unseres Erachtens zusätzliche Herausforderungen, und wir dürfen sagen, dass sie diese mit Links gemeistert haben! Andererseits war es wie man es bei Umbauten eben kennt – man weiss nie genau, was sich hinter, unter und über dem Bestehenden verbirgt! Situative Lösungen waren immer wieder gefragt. Hier kam uns ganz klar das tolle Einvernehmen unter den beteiligten Handwerkern und unserem Bauleiter entgegen – sie konnten alle Herausforderungen problemlos meistern!

Auch wenn nicht gern über die Kosten gesprochen wird: Was denken Sie, wann haben sich die Kosten amortisiert? 
Darüber haben wir uns keine grossen Gedanken gemacht – ganz ehrlich! Erstens haben wir diese Investition schlicht aus der Überzeugung heraus getätigt, dass sie in Anbetracht der heutigen Umweltsituation richtig ist und haben uns damit zweitens auch gleich einen schon länger gehegten Traum mit der Aufstockung des Daches erfüllt. Und zu den vielen möglichen Berechnungen: Wer kennt schon verlässlich die zukünftigen Preise der verschiedenen Energieträger, welche in diesen Berechnungen jeweils als Grundlagen herangezogen werden – Prognosen sind bekanntlich schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen.

Was raten Sie anderen Hausbesitzern, die ebenfalls eine Modernisierung anstreben?
Unbedingt vorher eine Gesamtanalyse erstellen lassen und dann die möglichen Massnahmen aufeinander abstimmen, anschliessend priorisieren und entsprechend den finanziellen Möglichkeiten gestaffelt mit einer professionellen Baubegleitung umsetzen. Und rechnen Sie auf jeden Fall genügend Zeit für Planungs- und Bewilligungsverfahren ein!