Geschäftsbericht 2018

Interview Gemeindebetriebe Roggwil (GBR)

Auf gewünschtem Kurs - Mut zur Ausgliederung hat sich ausbezahlt

Am 1. Januar 2017 wurden die Gemeindebetriebe Roggwil (GBR) aus der Gemeinde ausgegliedert, per 1. Januar 2018 durfte die IBL die Geschäftsführung übernehmen. GBR-Verwaltungsratspräsident Oliver Meyer und der Technische
Betriebsleiter Andreas Staub ziehen ein erstes Fazit.

Was waren die grössten Herausforderungen der Ausgliederung der Gemeindebetriebe Roggwils?
Meyer:
Die Gemeindebehörden in Roggwil haben diesen Prozess von langer Hand vorbereitet. Technisch gesehen war die Ausgliederung deshalb kein grosses Problem. Die grosse Herausforderung bestand eigentlich darin, politische, privatwirtschaftliche und regulatorische Interessen und Rahmenbedingungen auf strategischer Ebene in Einklang zu bringen.

Staub: Der Ausgliederungsprozess von einem Verwaltungszweig zu einer öffentlich-rechtlichen Anstalt ist kein einfaches Standardprozedere und keinesfalls ein Selbstläufer. In den Prozess einer Ausgliederung muss viel Zeit vorab investiert werden, auch um einen externen (und geeigneten) Beratungsdienstleister auszuwählen. Neben diesen Zeitfressern müssen auch das Tagesgeschäft und der Betrieb sichergestellt sein.

Was waren die entscheidenden Kriterien für die GBR, welche zur Auftragsvergabe an die IBL geführt haben?
Meyer:
Die Vergabe der Geschäftsführung wurde im Rahmen einer Ausschreibung im Einladungsverfahren gemacht. Nebst der lokalen Verankerung, der Fachkompetenz und natürlich den kommerziellen Konditionen war für uns sehr wichtig, dass der Partner uns und unser Handwerk in seiner vollen Breite versteht. Die operative Leitung von  Infrastrukturdienstleistungen, wie wir sie erbringen, erfordert nicht nur fachliche Kompetenz, sondern auch, eine breite Tastatur an regulatorischen, rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Fahigkeiten zu beherrschen.

Staub: Ausschlaggebende Punkte waren aus meiner Sicht die professionell aufbereitete Präsentation zum wirtschaftlichen Angebot mit dem Konzept der Betriebsführung. Natürlich waren der Querverbund IBL und die vorhandenen Kenntnisse von Roggwil im Bereich Kommunikation und Wasser auch essenziell. Zudem schätzen wir die direkte Kommunikation mit den jeweiligen Ansprechpartnern und die dadurch kurzen Wege. Wir sehen die IBL und ihren Querverbund als «grossen Bruder».

Rückblick 2018: Was hat die GBR erreicht? Wie konnte die IBL die GBR dabei unterstützen?
Meyer:
Für mich persönlich stehen drei Stakeholder hier im Vordergrund: Erstens der Roggwiler Bürger – er konnte sich 365 Tage im Jahr darauf verlassen, dass er hochwertige Infrastrukturdienstleistungen zu attraktiven Preisen erhält.
Dann der Roggwiler Steuerzahler – die GBR hat das Ziel, mit einer Gewinnabführung und mit Konzessionsgebühren jährlich einen wesentlichen Beitrag an den Roggwiler Steuerhaushalt zu leisten. Dieses Geld muss zuerst verdient werden,
bevor es der Gemeinde überwiesen werden kann. Das haben wir vollumfänglich geschafft. Und zu guter Letzt die Roggwiler Politik – 2016 haben die politischen Organe in Roggwil entschieden, dieses Projekt zu realisieren. Dazu brauchte es visionäre Ideen und Mut. Garantien, dass alles wie gewünscht herauskommt, gab es nicht. Ich bin froh, dass wir heute sagen können: Wir sind voll auf dem gewünschten Kurs. Die IBL hat uns strategisch und operativ im letzten Jahr sehr kompetent und freundschaftlich begleitet. Und somit ganz wesentlich zu diesen Punkten beigetragen.

Wie zufrieden sind Sie mit der Leistung der IBL? Was würden Sie sich noch mehr wünschen?
Meyer:
Wie bereits gesagt sind wir sehr zufrieden. Allerdings nehme ich vor allem die Geschäftsführung wahr. Und deren Arbeit lässt sich erst in ein, zwei Jahren beurteilen. Operativ gesehen bin ich überzeugt, dass die GBR bereits ausserordentlich gutes Personal hatte. Gebündelt mit den Fähigkeiten der IBL lassen sich aber die künftigen Herausforderungen noch besser bewältigen. Ganz im Sinne von 1+1 ist mehr als zwei.

Staub: Ich bin sehr zufrieden mit den erbrachten Leistungen der IBL. Die Unterstützung der beteiligten Personen war jederzeit da. Operativ konnte im letzten Jahr viel bewegt werden. Dank der IBL können wir auf zusätzliche Ressourcen zurückgreifen. Für die IBL ist es wichtig zu berücksichtigen, dass ein Gemeindebetrieb wie die GBR anders unterwegs ist und es deshalb nicht immer gleich laufen kann wie bei der IBL. 

Gab es seitens der Bevölkerung Reaktionen auf die Ausgliederung per 1. Januar 2017 und auf die Übernahme der Geschäftsführung durch die IBL per 1. Januar 2018?
Staub:
Da die Roggwilerinnen und Roggwiler bereits früh und laufend mit einer aktiven und offenen Kommunikation orientiert wurden, gab es kaum negative Reaktionen. Es war uns besonders wichtig, genug Zeit für die Vorinformation an die Bevölkerung zu investieren. Dabei hat sicher auch geholfen, dass kein Gerätewechsel notwendig war oder finanzielle Nachteile durch die Ausgliederung entstanden sind. Erst beim Rechnungsversand oder bei einem Anruf beim IBL-Kundenservice ausserhalb der Schalterzeiten der GBR haben die Kunden die IBL spürbar neu wahrgenommen. 

Welche Tipps würden Sie Gemeinden geben, die vor einer ähnlichen Herausforderung stehen?
Meyer:
Ganz einfach: Nehmen sie sich Roggwil als Beispiel! Was ich damit sagen will: Es kommt auf die Vorbereitung an. Es gilt vor allem auf politischer Ebene von Beginn an die richtigen strategischen Überlegungen zu vollziehen: Was soll
erreicht werden und in welchem Zeitraum? Welche Interessen haben aus welchen Gründen welche Priorität? Hier hilft sicher, wenn zuerst eine stringente Eigentümerstrategie entsteht. Wenn diese Fragen beantwortet sind, kommt es auf die
professionelle operative Projektabwicklung an. 

Staub: Die Planung des Zeitmanagements ist enorm wichtig! Genug Zeit einplanen und die Themen einer Ausgliederung genau prüfen. Die Politik soll vorab die Eckpunkte bestimmen, damit die strategischen Aspekte früh genug miteinbezogen
werden können. So kann bei der Ausgliederung auf eben diese Punkte geachtet und wieder Zeit eingespart werden. Der finanzielle Aspekt muss ebenfalls gut geprüft und detailliert aufgezeigt werden. Auf jeden Fall sollte vorab ein kompetentes, externes Beratungsunternehmen sorgfältig evaluiert und ausgewählt werden. Dieses begleitet als Aussenstehender die Ausgliederung operativ aus der Gemeindestruktur.

Ausblick 2019ff: welche Herausforderungen gilt es für die GBR zu bewältigen? Was sind Ihre Erwartungen an die IBL?
Meyer:
Der Auftrag der IBL ist klar: Wir wollen die strategischen Ziele, welche heute bestehen erreichen. Als  geschäftsführender Partner hat die IBL den Auftrag, die nötigen Aufgaben verantwortungsvoll und erfolgreich umzusetzen.

Staub: Es kommen spannende Themen und neue Herausforderungen auf uns zu, wie zum Beispiel die Umsetzung der neuen gesetzlichen Vorgaben im Bereich Strom (Smartmeter), die E-Mobilität und die damit verbundenen Herausforderungen in der Netzplanung – und auch die bevorstehende Marktöffnung im Strom. Wir haben Vertrauen in
die IBL als Partner und zählen darauf, dass die Themen zusammen angepackt werden können.

Was wäre Ihr Idealbild der GBR im Jahr 2025?
Meyer
: Für mich gibt es eine Priorität: Wir haben von der Einwohnergemeinde im Rahmen einer Eigentümerstrategie Zielvorgaben erhalten. 2025 will ich diese Zielvorgaben nehmen und sagen können: «Mission erfolgreich»!

Staub: GBR soll als DER Partner der Bevölkerung von Roggwil für die Versorgung mit Energie, Wasser und Kommunikationsdienstleistungen wahrgenommen werden. Wir möchten dem Kunden Hand bieten, wenn er sich für Dienstleistungen und Energiethemen interessiert. Der Gemeinschaftsgedanke «Einer für alle und alle für einen» soll weiter gelebt werden.